20. Kachelsteiner Kulturtage im Hause Michael Agi

Am vergangenen Sonntag, dem 28. Juni fanden die 20. Kachelsteiner Kulturtage bei schönem Sommerwetter im Hause Michael Agi, Am Kachelstein 5, Königswinter Rauschendorf, ihr diesjähriges Ende, aber folgen wir der Chronologie:

Die Eröffnung fand am Freitag, dem 12.06.2015 in der Zehntscheune der Abtei Heisterbach statt. Zur Begrüßung hielten Frau Cornelia Mazur-Flöer eine Willkommensrede und Herr Dr. Helmut Herles, welcher neben hohem Sachverstand, ein Meister der Parodie, eine spritzige Ansprache hielt, bespickt mit gelegentlichen Seitenhieben auf das aktuelle politische Geschehen und gewürzt mit kulturhistorischen Anekdoten, er zitierte Nestroy: „Die Phönizier haben das Geld erfunden, schade dass es so wenig war.“

Als kurzes Entree spielte Nora Reuther mit ihren Schülerinnen ein Flötenquintett. Beginnend mit einer eigenen Komposition, „Sinfonietta für Streicher op.22“ leitete der Dirigent Tobias van de Locht mit nahezu jugendlicher Verve und trotzdem gereift souverän die Sinfonietta Wuppertal, ein Ensemble aus Musikpädagogen und Amateurmusikern.

Es folgte, das von den meisten Besuchern mit Spannung erwartete „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2, B-Dur, op.19“ von Ludwig van Beethoven, interpretiert von der Solistin Laetitia Hahn. Was soll man sagen, ein Wunderkind allemal. 2003 in Düsseldorf geboren, heute also gerade einmal im 11. Lebensjahr angekommen, offenbarte sie bereits mit 2 Jahren ihre umfassende Hochbegabung. Hört man ihre konzentrierte und herausragende Interpretation des o.a. Konzertes, schwindet jeder kulturpessimistische Gedanke dahin. Während des virtuosen Spiels spiegelt lediglich die Ernsthaftigkeit auf ihrem Gesicht eine eventuelle Anspannung wider, welche jedoch mit kurzen Lächeln und mit Grandezza zurück geworfenes Haar dem versunkenen Spiel jegliche Härte nimmt. Wen wundert es da, dass diese junge Interpretin mit reichstem Beifall belohnt wurde und sich beim Publikum mit „Tarantella“ von Franz Liszt, ein Virtuoses stück als Zugabe bedankte.

Nach der Pause dann von Fré©dé©ric Chopin, das „Konzert für Klavier und Orchester Nr.1, e-moll, op.11“, gespielt von Laida Hitaj, geboren in Albanien und gerade 17 Jahre ‚Jung‘. Hier von Mädchen zu sprechen wäre allerdings weit gefehlt. Eine junge Dame präsentiert sich mit einer außergewöhnlich gereiften Interpretation. Gestus und Anschlag zeugen auch hier von einer Ausnahmetalent, deren Platz unter den ersten der Pianisten schon heute gesichert ist. Enorme Ausdrucksstärke und eine, der Komposition und ihrer Zeit entsprechende Versunkenheit sowie Klarheit in der Analyse wurden hier mit éœberzeugung und zur Freude des gesamten Publikums dargebracht. Und wiederum als Zugabe ein Bravourstück, „Wilde Jagd“ ebenfalls von Franz Liszt als Zugabe.

Wer vorher noch zweifelte an dem Virtuosentum beider junger Damen, war zum Schluss bar jeder Bedenken. Hier waren zwei junge Solistinnen am Werk, deren Weg in die Spitze unaufhaltsam sein wird.

Gleich am nächsten Tage, Samstag, dem 13.06.2015, ging es weiter im Hause von Michael Agi. Ab 16:00 Uhr war geöffnet für die Besucher der Vernissage mit der jungen Kölner Künstlerin Caroline Nagel. Sie studierte Bildende Künste an der Alanus Hochschule in Alfter, bei Bonn. Als Meisterschülerin von Prof. Dr. Ulrika Eller-Rüter bereiste sie Rumänien, Palästina sowie Länder in Afrika, um dort in sozialen Brennpunkten, kulturübergreifende, künstlerisch-praktische Projekte mit Kindern umzusetzen und zu fördern. Im Rahmen der Kachelsteiner Kulturtage präsentierte sie Arbeiten aus den letzten 5 Jahren. „Wenn ich mit dem Bemalen einer Leinwand beginne, habe ich kein fertiges Bild im Kopf. Allein den Anfang muss ich haben, alles andere entsteht dann im weiteren Prozess, im Dialog mit der Leinwand.“, so Nagel. Nagel präsentierte Werke zu verschiedenen Themen, z. B. die Installation „Raucheranzug“ aus 2010 mit sozialkritischer Aussage, über ihre gemalte und gezeichnete Reihe „Janusköpfe“ bis hin zu, teilweise farbintensiver Malerei, die zum einen an Informel und zum anderen auch an Action-Panting gemahnt.

Gegen 19:00 wurde das Programm im ausverkaufen Haus mit Dirk Cornelsen, Rezitator, im Verbund mit Nirse Gonzé¡lez, Gitarre mit einer lyrisch-musikalischen Soiree fortgesetzt.

Dirk Cornelsen, von Haus aus Kunsthistoriker und Journalist, ist regional bekannter Rezitator. Bewundernswert sein Hirn, welches mind. dreihundert Gedichte in sich birgt und es möglich macht, diese abzurufen, ohne auch nur eine Zeile ablesen zu müssen und dass auch noch, wenn’s manchmal prosaisch wird. Ein großer Beifall dem Vortragenden, der den Abend dem Motto „Glück ist ein verhexter Ort“ gewidmet hatte.

Im Wechsel dazu der junge Gitarrist aus Venezuela, studierte klassische Gitarre in Madrid und erfreute das Publikum mit Stücken aus der Literatur für klassische Gitarre. Beginnend mit dem Präludium aus der 4. Lautensuite von J. S. Bach führte er das Publikum kunstvoll über alter spanischer Musik und neuerer Gitarrenliteratur hin, zu einem, sein Können unter Beweis stellenden Stück mit südamerikanischer Rhythmik, folkloristischer Natur.

Am Freitag, dem 19.06.2015 folgte wieder ein Konzert in der Zehntscheune, diesmal mit den Söhnen Michael Agis, Daniel Agi, Flöte und Andreas Wolter, Klavier beide etablierte Berufsmusiker, Andreas Wolter als Pianist und Komponist in Berlin, Daniel Agi als Solist und Kammermusiker in Köln tätig. Der Abend bot den Söhnen die Möglichkeit ihrem Vater, Initiator und Organisator der Kachelsteiner Kulturtage und punktgenau an diesem Tage seinen 80. Geburtstag feiernd, eine Hommage zu bringen in Form eines Jubiläumskonzertes, das Programm des allerersten Konzertes vor 20 Jahren aufgreifend.

Beginnend mit Joh. Seb. Bachs „Sonate h-moll für Flöte und Klavier, BWV 1030, wurde bereits jedem Zuhörer prägnant die éœbereinstimmung der beiden Interpreten vor Augen und Ohr geführt. Die Einsätze präzise, die Linienführung sauber, ohne Allüren, gepaart mit sensibelster Einfühlung, phantastisch.

Hiernach „Sonate für Flöte und Klavier“ aus 1936 von Paul Hindemith. Wer sich schonungslos in die Moderne geschleudert wähnte, musste zugeben, dass dem nicht so war. Die beiden Interpreten sahen sogar Parallelen in den beiden Kompositionen, die leider nicht näher erläutert wurden, jedoch vielleicht auch dem Akademischen zu viel Raum geboten und das Empfinden zu sehr in Hintergrund gerückt hätten. Wie dem auch sei, die Begeisterung des Publikums war grenzenlos. Fast lieblich tonal eroberten sich die Töne die Ohren und die Gemüter.

Nach der Pause wurde der zuvor gewonnene Eindruck bestätigt. Andreas glänzte in Klängen mit 2 russischen Stücken für Klavier solo, Tschaikowskys „Nocturne cis-Moll, Op.19, Nr.4“ und Glinkas „Nocturne f-moll für Klavier solo (La Separation)“, eine Bereicherung für jeden Anwesenden. Danach wartete Daniel Agi auf, mit gleicher Bravour, mit einem Stück des Komponisten Karg-Elert für Flöte solo, „Sonata (Appassionata) fis-Moll, Op.140“ überschrieben. Obwohl der Komponist vielen nicht bekannt, die Begeisterung war überschäumend. Beide Söhne beendeten das Konzert mit einer „Sonate für Flöte und Klavier“, 1957 von Francis Poulenc komponiert.

Stehende Ovationen und ein zu Recht und sichtlich gerührter Vater forderten die beiden noch zu einer Zugabe, ebenfalls ein Stück aus dem französischen Impressionismus, das den beiden Brüdern gut vertraut war.

Zwischendurch muss noch einmal das Engagement Michael Agis erwähnt und gerühmt werden. Dank seiner unermüdlichen Kraft, seinem Enthusiasmus, seiner Leidenschaft dürfen wir uns an diesen hochrangig besetzten Konzerten jedes Jahr erfreuen. Ihm sei an dieser Stelle nochmals in aller Form gedankt, diesem unermüdlichen Freund und Förderer der Kunst, ohne den das Rheinland um ein Großes ärmer wäre.

Kommen wir zu einem weiteren Höhepunkt der Konzertreihe. Am Sonntag, dem 21.06.2015 präsentierte der weltweit bekannte und anerkannte Kölner Professor für klassische Gitarre, Hubert Käppel seine Interpretationen in der Evangelischen Kirche in Oberpleis. Für das voll besetzte Haus hatte er ein, wie sollte es anders sein, bei einem sich ein Leben lang der Musik Verpflichteten, äußerst anspruchsvolles Programm ersonnen. Die erste Hälfte, kein kleiner Happen für Ungeübte, begann mit einer zeitgenössischen Komposition des kubanischen Gitarristen und Komponisten Leo Brouwer, „Canticum“ betitelt. Sauber interpretiert, von einigen Besuchen aber auch mit einem Fragezeichen quittiert. Dann der Wechsel in die spanische Renaissance mit zwei Fantasien und einer Pavane von Luis Milan. Die Fantasien 3 + 8 und die Pavane Nr. 6, welche eher schwungvoll zu nennen ist und nicht der üblichen Vorstellung eines Schreittanzes entspricht, wurden von dem Meister so kunstvoll frei interpretiert, dass sich die ungefähr vierhundert Jahre Unterschied zwischen beiden Kompositionen ansatzweise aufgehoben zeigten. Vor der Pause dann noch eine Bearbeitung für Gitarre solo von Hubert Käppel der Komposition von Hans Werner Henze „El Cimarré³n“, ursprünglich für Bariton, Flöte, Gitarre und Schlagzeug geschrieben. Eine Darbietung neuer Musik, Käppel sprach und sang Text und bearbeitete die Gitarre zeitweise mit einem Cellobogen, wurde bei dem Publikum, erfreulich, mit großer Ungezwungenheit und Offenheit für das Neue, entgegengenommen und heftig mit Applaus belohnt.

Die zweite Hälfte des Abends war dann den Hörgewohnheiten freundlicher gesonnen. Man konnte Werke, beginnend bei dem Komponisten Oliver Hunt, „Garuda“, über den brasilianischen, nicht nur für die Gitarre bedeutenden, Komponisten Heitor Villa-Lobos „Preludes 3 + 4“, Francesco Té¡rrega mit „Gran Valse“, „Marieta“ und „Maria“ bis hin zu Augustin Barrios’ „Choro de Saudade“ hören. Das offizielle Programm endete mit dem „Choro Nr. 1“, wieder von Heitor Villa-Lobos. Neben den durchweg exzellenten Vorträgen aus der Gitarrenliteratur mehrerer Jahrhunderte, erhoben sich die Interpretationen der Stücke Villa-Lobos’ und Barrios’ in fulminante Höhen. Belohnt wurde das Publikum für seinen andauernden Beifall mit einer Komposition, wieder mal für eine Frau, von Té¨rrega.

Dede, dieter Ditscheid

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